Buecher cferda 01

Crew

2019

am 28.06.2019 von stefanie (21), Redaktion Köln 2, Buch

Dein Gesamturteil: 8 von 10 Punkte

Was tun, wenn du dich in den einen Menschen verliebst, den du nicht lieben darfst?

Als Teil einer Crew steht Bren den anderen Mitgliedern näher als ihrem eigenen Bruder. Wenn es zu Problemen kommt, kann sie immer auf Jordan, Cross und Zellmann zählen, ebenso wie sie alles für die drei geben würde. Nur hat jede Entscheidung Konsequenzen und wenn sich die Welt gegen dich verschworen zu haben scheint, ist es nur eine Frage der Zeit, bis du verlierst. Du kannst kämpfen oder du gibst dich geschlagen. Nur was, wenn dein eigenes Herz dir im Weg steht?

Zu Beginn wird der Leser von Bren in die Welt der Crews eingeführt, was sehr sinnvoll ist, damit man dieses System ebenso selbstverständlich akzeptiert, wie es Bren tut. Für sie ist es der Mittelpunkt ihrer Welt und sie handelt nach den Regeln ihrer Crew. Auf den ersten Blick ist es ein wenig befremdlich, da die Crews teilweise an Werwolfrudel erinnern, nur bestehen sie aus Menschen. Aus Menschen mit einem hohen Gewaltpotenzial.
Der Handlungsverlauf ist überschaubar und es passiert nicht allzu viel, obwohl der Roman einige Seiten umfasst. Dadurch wird den Figuren Raum zur Entfaltung gegeben, den sie leider nicht wirklich nutzen. Nur Bren macht eine Entwicklung durch, die aber nicht glaubwürdig gestaltet ist. Es wirkt eher so, als käme die Veränderung von jetzt auf gleich und hätte keinen wirklichen Grund.
Vielleicht mag es mit Brens Vergangenheit zusammenhängen, über die man erst sehr spät etwas erfährt. Und dann in einer eher unschönen Szene, die recht zügig endet. Oftmals wirkt es so, als würden manche Szenen aneinander gereiht, die nicht immer etwas miteinander zu tun haben. Dadurch entsteht der Eindruck einer Willkür, die den Lesefluss stört.
Das System der Crews ist sehr interessant, weil es so ganz anders ist als alles, was man sonst so kennt. Wenn man in einer Crew ist, stellt man sie an erste Stelle. Nichts ist wichtiger als die Crew oder die anderen Mitglieder und dadurch entwickeln sich immer wieder neue Konflikte untereinander. Zumal es gerade in der Wolfs Crew die Besonderheit gibt, dass sie keinen Anführer hat. Es führt dazu, dass es je nach Situation eine andere Konstellation der Crew Mitglieder gibt, wodurch es immer wieder spannend zu beobachten ist.
Als nur eines von zwei Mädchen in der gesamten Welt der Crews ist Bren etwas ganz besonderes. Hinzu kommt ihre Liaison mit dem Anführer einer anderen Crew und dass ihr Bruder das Crew System erfunden hat. Nicht gerade einfach für ein pubertierendes Mädchen mit beschissener Kindheit, die ihre Gefühle ganz gerne im Alkohol ertränkt. Gerade die Dunkelheit in Bren, die sie als Glühwürmchen bezeichnet, ist faszinierend, da es sie als Charakter vielschichtig macht. Diese Idee, wodurch man sich die Dunkelheit besser vorstellen kann, ist mal etwas anderes und lässt die Geschichte ein wenig mysteriöser erscheinen.
Gegen Ende wird es dann zwar ein wenig hektischer und es kommt doch noch zu einem anständigen Handlungsbogen, nur ist es alles etwas vorhersehbar und wirkt teilweise zu dramatisiert. Zumal man kurz zuvor Entwicklungen erleben durfte, die schon im Klappentext angeteasert wurden und irgendwie deutlich weniger schlimm sind, als es zu Beginn wirkt. Viel mehr sind es die Regeln und Schranken im eigenen Kopf, die dazu führen, dass Bren sich Sorgen macht und alles ein wenig düsterer darstellt. Letztendlich sind ihre Jungs deutlich flexibler, als sie denkt und es wird weniger dramatisch. Zumindest wenn es um die selbst aufgestellten Regeln geht. Und die wichtigste davon ist Bren dabei zu brechen: Verliebe dich niemals innerhalb der Crew. Eine Regel, die sie sich ständig vor Augen hält und dann trotzdem bricht, was keinerlei Folgen zu haben scheint. Dadurch wirkt es auf Dauer nur nervig, dass sie diese Regel ständig erwähnt. Es ist ein roter Faden im Roman, der keine allzu große Wirkung erzielt und daher fast schon überflüssig ist. Auch wenn die Autorin damit ein One True Pairing (OTP) erschaffen wollte, um eine große Liebesgeschichte erzählen zu können. Cross und Bren sind ganz süß zusammen, aber ein Traumpaar sind sie noch lange nicht. Vor allem, weil sie nicht den Raum bekommen, um als Paar zusammenzuwachsen.

Fazit

Ein Roman, der das Crew System und das Leben seiner Protagonistin gekonnt in Szene setzt und dem Leser einen neuen Lebensstil präsentiert.

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