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Public Enemies

USA 2009, Biografie, Gangsterfilm, ab 12 Jahren

am 15.09.2009 von Mara (15), Redaktion Köln 1, Film

Dein Gesamturteil: 10 von 10 Punkte

"Entweder du bist ein toter Held oder ein lebender Feigling!"

Mit einer leeren Leinwand und einem vollen Kinosaal beginnt das Publikum eine Zeitreise ins Jahr 1933. Ziel ist das Michigan-Gefängnis in Indiana, in dem gerade ein neuer Gefangener eingeliefert wird. Dieser entpuppt sich als John Dillinger, Staatsfeind Nr. 1, der mithilfe eines als Gefängniswächter getarnten Komplizen den Rest seiner Bande befreit. Es kommt zum Schusswechsel, wobei ein Mitglied der Bande stirbt. Es ist nicht das letzte Mal, dass der Bankräuber einen Freund verliert. Dennoch riskiert er oft sein Leben - meist erfolglos - um die seiner Kumpanen zu retten. In das Schema des reichen, beliebten, eiskalten Mannes passt Dillinger also nicht; die Leute machen sich teilweise sogar darüber lustig, dass er die besten Banken ausraubt, nur um den Kunden das Geld zurückzugeben.

Dass Johnny Depp von einem rachsüchtigen Barbier, über einen etwas tollpatschigen, armseligen Piraten bis hin zum sich nach Liebe sehnenden Chocolatier wirklich alles spielen kann, hat er - hauptsächlich dank Tim Burton- schon längst bewiesen. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an seinen Schauspielkünste als humorvoller Robin Hood der vierziger Jahre. Doch hier und da ein Zucken mit dem rechten Mundwinkel, was sehr an Jack Sparrow erinnert, der eine oder andere finstere Blick, auf den Sweeney Todd neidisch gewesen wäre, und das Füllen eines völlig eintönigen Liedes mit seiner Stimme - und schon hat der 46-Jährige die Zuschauer auf seiner Seite. Die unbeschwerte Art seiner Rolle ("Johnny, wie lange brauchen Sie, um eine Bank auszurauben?" - "Och, ungefähr eine Minute. Nüchtern") lässt ihn innerhalb kürzester Zeit beim Publikum so beliebt werden, wie Dillinger es bei seinen Landsmännern schon längst ist. Der einzige, dem er offensichtlich nicht so grün ist, nennt sich Staat und dieser macht auch keinen Hehl aus seiner Ablehnung. Mit der Beseitigung des Staatsfeindes wird Agent Purvis beauftragt. Obwohl die Polizei theoretisch dein Freund und Helfer ist, steht der Agent hier als Bösewicht da. Ein sympathischer Bösewicht wohlgemerkt, vielleicht, weil Christian Bale als Purvis erneut beweist, dass er für anspruchsvolle Rollen wie in "I‘m Not There" nicht grundlos gefragt ist, vielleicht aber auch, weil seine Figur eine intensivere Beziehung zur Hauptperson hat, als man vermutet. Die Intensität der Liebe, die Billie Frechette, die Freundin des Bankräubers, für diesen empfindet, ist dennoch unübertrefflich. Auch hier kann der Regisseur mit Starbesetzung aufwarten: Passend zur französichen Rolle Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard, die mit vielen kleinen Gesten arbeitet. Überhaupt könnte man Public Enemies niemals als einen gewöhnlichen Gangsterfilm bezeichnen, denn auch wenn ziemlich viel Maschinengewehrgeballer und täuschend echtes Blut die Herzen der meisten Jungs höher schlagen lassen, passiert doch viel im kleinen Rahmen. Hier ein Lächeln, da ein Lidschlag, und schon ist viel mehr gesagt, als in den alltäglich wirkenden Dialogen, was natürlich auch an dem großartigen Ausdrucksvermögen der Akteure liegt. Doch auch die Musik hält sich in diesen Szenen zurück, nur ein leiser, unauffälliger Begleiter, der trotzdem nicht unbemerkt bleiben kann. Dann und wann wirft er seine Tarnkappe gänzlich ab und verbreitet im Countrystyle gute Laune, manchmal betäubt er fast mit seiner Präsenz.
Genau so präsent, aber noch viel unauffälliger sind die Austattung sowie die Motive, ohne die ein solcher Film gar nicht möglich wäre. Besonders faszinierend sind die Radios, und die Telefone, ganz zu Schweigen von den Autos, die besser nicht hätten aussehen können. Fadenzieher dieser komplexen Marionette namens Film ist Michael Mann, der das doch eher komplizierte Heben der einzelnen Gliedmaßen zu einem perfekten Bewegungsablauf umwandelt. Erwarten konnte man das schon, schließlich hatte er 1981 mit "Der Einzelgänger" bereits einen von mehreren Gangsterfilmen gedreht. Nebenbei produzierte er auch Kassenschlager wie "Hancock". Allzu viel falsch machen konnte Mann mit "Public Enemies" allerdings nicht, schließlich waren die ersten drei Dillinger-Verfilmungen ( 1945 "Dillinger" von Max Nosseck, 1973 "Dillinger" von John Milius, 1991 "Dillinger - Staatsfeind Nr. 1" von Rupert Wainwright) nicht solche Kinohits gewesen, weshalb es wahrscheinlich nicht schwer war, sie von Anfang an in den Schatten zu stellen.

Fazit

Naja, damals kam man sicher nicht mit Tränenspuren auf den Wangen, keuchendem Atem, bis zum Hals schlagenden Herzen und wackligen Knien aus dem Kino, oder?

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