Kinovorhang cferda 01

Snowden

keine Angabe 2016, Ohne Altersbeschränkung

am 16.03.2018 von Simon T. (0) aus Solingen (Gastkritik), Film

Dein Gesamturteil: 10 von 10 Punkte

Rezension "Snowden"

Die Tür fliegt auf und der Drill Sergeant kommt in den Schlafsaal gestürmt. Jeder Rekrut springt wie unter Strom aus dem Bett auf. Es herrscht Hektik. Einer der Männer hat nur gerade genug Zeit um seine Brille aufzusetzen und aus dem Bett zu springen, da passiert es: Seine Beine knacken und er geht zu Boden. „Ich werde Ihre Suspendierung einreichen, es gibt andere Arten unserem Land zu dienen“. Das Urteil des Arztes steht fest und die Zeit bei der U.S. Army ist damit vorbei. Doch seinem Land nicht weiter zu dienen, das kommt nicht in Frage. Also bewirbt er sich bei der CIA. Eine Entscheidung, die sein Leben verändern wird. Das Leben von Edward Snowden.

Die sich selbst zu Beginn des Filmes als „Dramatisierung tatsächlicher Vorgänge“ bezeichnende Verfilmung von Oliver Stone, erschienen am 22.September 2016 beleuchtet eindrucksvoll das Leben hinter der Person „Edward Snowden“ und dessen Beweggründe für eine Art der Veröffentlichung, die vielen Menschen unter die Haut ging. Der Film, der in gemeinsamer Überarbeitung mit Snowden selbst entstand, veranschaulicht die Entwicklung eines konservativen Kriegssympathisanten zum kritisch hinterfragenden Rebellen, der Snowden heute ist.

Der Film beginnt in einem Hotelzimmer in Hong Kong, wo sich Snowden mit Dokumentarfilmerin Laura Poitras und zwei Journalisten trifft. Er hat beschlossen sein Wissen über die geheimen Aktivitäten der NSA, dem Geheimdienst der USA, mit der Welt zu teilen und sich damit selbst zum gesuchten Schwerverbrecher zu machen. Der Zuschauer taucht in seine anfangs im Hotelzimmer startende Erzählung ein und findet sich wieder im Leben von Edward Snowden, gespielt von Joseph Gordon-Levitt. Man kann mitverfolgen, wie sich Snowden bei der CIA bewirbt und miterlebt, wie tausende amerikanische Bürger ausspioniert werden. Sein immer weitreichenderes Verständnis von dem, was die NSA eigentlich tut, verwandelt den doch so patriotischen Edward Snowden in einen von Gewissensbissen gequälten Zweifler. Die Lage spitzt sich zu, als er eine Graphik zusehen bekommt, die die Anzahl der ausspionierten Bürger jedes Landes darstellt. Er traut seinen Augen kaum, als er erkennt, in welchem Land die meisten Bürger ausspioniert werden, und beschließt zu handeln…

Wer erfahren möchte, welche unglaublichen Entdeckungen Snowden während seiner Zeit bei der NSA macht und wie er es geschafft hat, die Informationen nach außen zu tragen, der sollte sich unbedingt den 2 Stunden und 14 Minuten langen Spielfilm mit Joseph Gordon-Levitt als Edward Snowden, Shailene Woodley als Snowden´s Freundin Lindsay Mills, Melissa Leo als Laura Poitras und Zachary Quinto als Journalist Glenn Greenwald ansehen. Jeder Schauspieler hat seine Rolle überzeigend verkörpert und man kann bei vielen Figuren eine Entwicklung während des Films erkennen, die dank der großartigen Schauspieler gut zur Geltung kommt. Lindsay Mills beispielsweise entwickelt sich von der aufgeweckten Hobby-Fotografin zur besorgten Liebhaberin, die ständig das Wohl ihres Freundes anstrebt, der sichtbar unter dem enormen Druck leidet, der auf ihm lastet.

Außerdem gelingt es Melissa Leo und Zachary Quinto hervorragend, die gelassene, ruhige Dokumentarfilmerin und den nervösen, aufgeregten Journalisten zu verkörpern. Durch den Einsatz der von Adam Peters und Craig Armstrong komponierten, an spannenden Stellen dramatischen Musik, wie bei dem Klingeln des Telefons im Hotelzimmer, oder schneller elektronischer Musik in Szenen wie dem Erfolg beim Programmiertest, kann der Film den Zuschauer die gesamte Zeit fesseln. Verschiedene Schnitttechniken und unterschiedliche Kamerafahrten gepaart mit einer guten Mischung an Action und Dialogen heben diesen Film von anderen ab. Durch den Wechsel zwischen Rückblende und Hotelaktivität färbt das Gefühl von Aufregung und Nervosität, das Snowden gespürt haben muss, auf den Zuschauer ab und der Kinosaal verwandelt sich in das Hotelzimmer, in dem der Zuschauer zusammen mit Snowden das Abenteuer erlebt.

Doch Oliver Stone´s Werk ist mehr als nur eine Biographie von Snowden´s Leben. Vielmehr gibt es Denkanstöße, reißt Diskussionen um Cyber-Sicherheit an und regt vor allem zum Nachdenken an. Der Film nimmt kein Blatt vor den Mund und verdeutlicht eindrucksvoll die Ausmaße, die digitale Spionage annehmen kann. Doch eins lässt der Film offen: Die Frage, ob Snowden´s Handeln richtig war. Mit dieser Frage entlässt der Film den Zuschauer wieder in seinen normalen Alltag, in das Leben, das von dieser Art der Überwachung betroffen ist, und jedem steht frei, wie er das Handeln von Snowden beurteilt.

Fazit

Abschließend möchte ich selbst zum Spielfilm „Snowden“ sagen, dass das Thema, mit dem sich der Film beschäftigt, gerade in der heutigen Zeit für uns als Smartphone-nutzende Generation eine große Bedeutung hat. Ich habe gerade bereits erwähnt, dass sich „Snowden“ von anderen Filmen insofern unterscheidet, dass er nicht mit dem letzten Bild vorbei ist, sondern die Überwachung eine reale Bedrohung ist, die uns Tag und Nacht umgibt. Wir können weder davor entfliehen noch uns verstecken. Überwachung ist eine Gefahr für jeden, der mit dem Internet zu tun hat. Deswegen ist dieser Film auch zur Aufklärung sinnvoll. Ich empfehle den Film jedem weiter. Es lohnt sich!

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