B2

Tote Mädchen lügen nicht

2017, Jugendbuch

am 09.08.2019 von stefanie (21), Redaktion Köln 2, Buch

Dein Gesamturteil: 8 von 10 Punkte

Ein Karton, sieben Kassetten und eine Reise in die Vergangenheit...

Als Clay nach der Schule nach Hause kommt, wartet dort ein Paket auf ihn. In dem Paket befinden sich Kassetten von Hannah Baker. Hannah, die sich umgebracht hat. Hannah, die auf all den Kassetten erklärt, wer daran Schuld trägt, dass sie diesen Schritt gegangen ist. Und so begibt sich Clay auf eine Reise in ihre Vergangenheit.

Da Clay heimlich für Hannah geschwärmt hat, nimmt er ihren letzten Willen ernst und beginnt, sich die Kassetten anzuhören. Auf jeder Kassettenseite geht es um einen andere Schuldigen, wodurch sich Clay stetig fragt, was er verbrochen haben mag.
Oftmals sind es fast schon flüchtige Dinge, die Hannah bemängelt, wodurch sich der Leser selbst hinterfragt und überlegt, wie sein Verhalten auf andere wirkt. Vor allem beginnt man, sich mit Clay und seinem Verhalten zu vergleichen, wodurch man umso stärker mit ihm mitfühlt.
Der Roman spielt nur in dem kurzen Zeitraum einer Nacht, wodurch effektiv nicht viel passiert. Viel wichtiger sind Hannahs Erzählungen, die Erinnerungen in Clay wecken. Nicht nur, dass sie seine Sicht der Dinge oftmals korrigiert, sie zeigt ihm auch neue Seiten von anderen. Denn Clay hat sich von Gerüchten über Hannah blenden lassen, wie er nun erfahren muss.
Leider schafft es der Roman nicht, die Figuren dem Leser nahe zu bringen. Hannah wirkt schon sehr bald naiv und unfair, weil sie Dinge an anderen bemängelt, die sie selber ebenso falsch macht. Zumal sie sich Hilfe suchen konnte, nur hat sie stets die falschen Menschen gefragt. Durch ihre stets anklagende Haltung geht man als Leser ebenso wie Clay in eine Verteidigungshaltung ihr gegenüber.
Und auch mit Clay wird man nicht so richtig warm, da man zu wenig über ihn erfährt und er in vielen Erzählungen nicht allzu sympathisch erscheint.
Gerade weil so viele Erinnerungen in so wenig Seiten gepresst werden, wirft man bald einiges durcheinander, was schade ist, weil man dadurch nicht so richtig in die Geschichte eintauchen kann.
Aber es ist die Idee, die diesem Roman zugrunde liegt, die ihn so besonders machen. Zum einen geht es um die Reflexion des eigenen Verhaltens und zum anderen haben wir einen durchschnittlichen Protagonisten, der für Hannahs Kritik offen ist. Man kann sich mit ihm identifizieren, weil er nicht offensichtlich schuldig ist, sondern sich in den Augen eines anderen falsch verhalten hat. Und das kann jedem passieren. Und trotz der Distanz zu Clay und Hannah fühlt man mit beiden mit und begleitet sie auf ihrem Weg. Wenn auch nur für einen kurzen Augenblick.

Fazit

Ein Roman, dessen Figuren nicht immer überzeugen können, der den Leser aber zum Nachdenken anregt und ihn berühren kann.

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