Kinovorhang cferda 01

They Shall Not Grow Old

UK 2018, ab 16 Jahren

am 18.02.2020 von Johanna B. (17) aus Köln, Schulkinowoche 2020 NRW (Gastkritik), Film

Dein Gesamturteil: 7 von 10 Punkte

Mitreißender Dokumentarfilm über den ersten Weltkrieg von Regisseur Peter Jackson

Der düstere Dokumentarfilm „They Shall Not Grow Old” vom Oscar prämierten „Herr der Ringe" Regisseur Peter Jackson, verbindet Archivmaterial des ersten Weltkriegs mit modernster Technik und das Ergebnis ist unglaublich atemberaubend.

Der Film beginnt mit schwarz-weißen Aufnahmen, unterlegt mit Voice-Overn von Zeitzeugen, die ihre Erfahrungen wiedergeben. Er begleitet die, teilweise noch sehr jungen, britischen Soldaten, die sich anfangs sogar noch auf den Krieg zu freuen scheinen und gar nicht wissen was eigentlich auf sie zukommt. Dazu ertönt ein beängstigendes gepfiffenes Lied und plötzlich zoomt die Kamera rein und das Bild wird weiß, die Musik verschwindet. Das Bild verwandelt sich in Farbe und die Aufnahmen werden erschreckend lebendig. Man sieht die Soldaten unter qualvollen Lebensbedingungen an der Front kämpfen. Als der Krieg dann beendet ist, wechselt das Bild wieder in Schwarz-Weiß und lässt einen betroffen mit den Auswirkungen des Krieges zurück.

Die ersten ca. 20 Minuten des Films haben sich etwas gezogen, da man die ganze Zeit auf den Moment wartet, wo das Bild endlich farbig wird. Obwohl die gesamte Nachbearbeitung sehr beeindruckend ist und eine noch nie da gewesene Einsicht in den ersten Weltkrieg gibt, wirken die Farben doch manchmal etwas künstlich, was aber nicht weiter stört. Die über 100 Zeitzeugen, die den gesamten Film begleiten, geben interessante Einblicke und die verstörenden Bilder von gefallenen Soldaten bleiben noch lange in Erinnerung. Der Assoziationsmontage gelingt es, den Eindruck zu erwecken, dass die noch lebenden Soldaten ebenfalls die danach gezeigten gefallenen Soldaten sind. Dieses Stilmittel hat eine sehr erschütternde, aber auch berührende Wirkung. Durch die realistischen Soundeffekte fühlt man sich als wäre man mitten im Geschehen drin, was den Film zu einem noch intersiveren Erlebnis macht.
Enttäuschend ist, dass es über 300 Stunden Archivmaterial gibt, aber nur ein kleiner Teil davon verwendet werden konnte. Ab und zu wiederholen sich Szenen und der Film hätte dahingehend ein bisschen mehr Abwechslung vertragen können. Ebenfalls zu bemängeln ist, dass der Film eher eine Dokumentation über britische Soldaten ist, als eine Dokumentation über den ersten Weltkrieg, da wir den Krieg nur aus einer Sicht, der britischen Sicht, sehen.

Fazit

Trotz allem ist der Film allein schon wegen der sehr aufwendigen Nachbearbeitung der Originalaufnahmen sehenswert und für alle die sich für das Thema interessieren, empfehlenswert. Der Film regt sehr zum Nachdenken an und bleibt einem auf jeden Fall in Erinnerung. Leicht zu schauen ist er jedoch nicht, und nimmt einen sehr mit. Diese Kritik entstand im Rahmen der SchulKinoWochen NRW 2020.