Reportage

Star Wars, Paul und Mickey Mousing - die Musik im Film

am 16.04.2011 von yoshe.kfu2011 (12), Redaktion Kinderfilmuni HFF 2011

Die Kinderfilmuniversität Babelsberg hat wieder begonnen!
Nach der Einführung zur Filmgeschichte, über die ich ja schon im letzten Jahr meine Reportage "Wie die Bilder laufen lernten" geschrieben habe, fand im Februar die zweite Vorlesung in diesem Jahr statt: Filmmusik bei Prof. Ulrich Reuter.
Er ist genau der Richtige für unsere Vorlesung, denn er unterrichtet an der an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf", aber er komponiert auch selbst Filmmusik fürs Fernsehen.

Was kann Filmmusik? Und gehört Musik zum Film?

Das sind die zwei Fragen, die Herr Reuter gleich am Anfang stellte und auf die er uns auch sofort selbst eine Antwort gab: „Musik verbindet sich mit anderen Wahrnehmungen und entwickelt eine große Kraft, sich mit Emotionen zu verbinden.“
Deshalb benutzen fast alle Filme Musik. Es gibt in Filmen Szenen mit Musik und musikfreie Passagen. Selten hören wir die Musik bewusst, wenn wir einen Film sehen.
Herr Reuter sagte, Filmmusik wirkt auf uns und wird manchmal gar nicht wahrgenommen.
Ich glaube, das passiert vor allem, wenn sie besonders gut zum Film passt. Wenn sie nicht passen würde, dann würden wir das bestimmt bemerken!

Es gibt zwei Arten, auf die Musik im Film auftaucht, die „Source-Musik“ und die „Score-Musik“.
„Source-Musik“ ist Musik in der Filmrealität, also in der Geschichte. Die Filmfiguren hören die Musik dann auch.
Herr Reuter zeigte uns das an einem Beispiel aus "Star Wars": Wir sahen einen Filmausschnitt aus dem 4. Teil, in dem eine Alien-Band spielt und alle in der Geschichte hören die Musik auch.

Musik außerhalb der Geschichte heißt „Score Musik“.
Diese Musik richtet sich an den Zuschauer und unterstützt sein Gefühl. Hier hören die Figuren die Musik nicht selbst.
Wie entsteht Filmmusik?

Ein Film beginnt schon mit der Drehbuchentwicklung, der Finanzierung, der Vorproduktion und mit der Suche nach Drehteam und Schauspielern.
Dann ist Drehbeginn. Nach Drehende kommt die Postproduktion: die Montage (das ist der Schnitt), dann die Nachvertonung der Stimmen und Geräusche.
Aber wo bleibt denn nun eigentlich die Filmmusik?

Das erzählt uns Ulrich Reuter in der Vorlesung:
Ein Filmmusiker beginnt seine Arbeit, wenn der Schnitt abgeschlossen ist, aber vor der Endmischung des Films. Sie dauert ungefähr 1-2 Monate.
Ein Filmmusiker bekommt eine Arbeitskopie mit Timecode und Einzelbildern, damit er weiß, für welche Situationen er Musik schreibt und wie lang sie sein soll.

Damit er aber nicht einfach irgend etwas komponiert, was ihm gerade selbst gefällt, findet eine Musikbesprechung statt und eine Musikliste wird erstellt.
Beteiligt an der Musikfindung sind natürlich der Komponist, aber auch der Regisseur und der Produzent. Später kommen dann die Instrumentalisten, die die Musik einspielen und ein Tonmeister, der sie aufnimmt, dazu.

Welche Aufgaben hat Musik im Film?
 
Filmmusik hat viele Funktionen, die uns Prof. Reuter an einem Beispiel zeigte, nämlich an einem Filmausschnitt, über den er immer wieder unterschiedliche Musik legte.
Ein Mann, Paul, geht durch ein Gartentor zu einem Haus, nimmt einen Schlüssel aus einem Versteck und steckt ihn ins Schloss.
Durch die unterschiedliche Musik wirkte der Filmausschnitt unterschiedlich, obwohl es immer dieselben Bilder waren.

1. Emotionale, musikalische Perspektive
Hier wird entweder die Musik auf die Gefühle der Zuschauer oder die Gefühle der Figur ausgerichtet.
Im Beispiel gab es eine Musik aus der Sicht der Figur, z.B. Wehmut.

2. Atmosphäre des Ortes
Filmmusik weiß aber manchmal mehr als die Figur. Dann beschreibt sie zum Beispiel den Ort.

Ein Filmmusiker muss immer die Musik zur Szene schreiben, er darf nicht sich selbst ausdrücken oder das, was ihm selbst gefällt. Dabei muss er immer darauf achten, wie Musik auf den Zuschauer wirkt.
Das geht zum Beispie über den Klang, daüber, wie die Figuren sich fühlen, über die Zeit, in der die Geschichte spielt und über die Komposition von Musik.
Im Filmausschnitt mit Paul gab es zum Beispiel auch eine Musik, die Spannung aufgebaut hat.
Die Musik war bewußt so gestaltet, dass sich der Zuschauer fragen musste: Was wird als nächstes passieren?
3. Funktionieren der Geschichte
Ein anderes Mittel für die Wahl von Musik im Film ist es,
wichtige Elemente, zum Beispiel den Schlüssel, zu betonen.
Wenn die Musik immer wieder auftaucht, heißt das "Leitmotiv".
4. Filmische Wahrnehmungen
Hier kann man entweder eine Musik wählen, die die Geschichte sehr echt macht, damit man den Figuren ihre Gefühle glaubt oder sie "stilisieren", das heißt verstärken Dafür gibt es einen witzigen Fachbegriff:"Mickey Mousing"!
Dabei werden die Bewegungen mit Musik nachgeahmt oder verstärkt.

5.Genre
Ein Western bekommt andere Musik als eine Komödie.

Nun wisst Ihr so ziemlich alles zu Filmmusik!
Prof. Ulrich Reuter ist Filmmusiker geworden, weil er zwar Spaß an unterschiedlichen Arten von Musik hat, aber nicht auf der Bühne stehen wollte, und weil er Filme mag.
Manche Regisseure machen ihre Musik selbst, z.B. Tom Tykwer. Aber zum Glück nicht alle, denn sonst hätten ja die Filmmusiker nichts mehr zu tun!

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