Interview

Interview-Tipps

 

Übung macht den Meister! Interviews zu führen ist keine Kunst, sondern ein Handwerk, das man erlernen kann. Damit ein Interview gelingt, musst du es allerdings gut vorbereiten. Mit unseren Tipps ist das nur noch halb so schwer.

 

Vorbereitungen in der Redaktion


  • Thema festlegen: Überlege dir, welches Thema du mit Hilfe des Interviews beleuchten möchtest. Was möchtest du gerne über dieses Thema erfahren? Was könnte die LeserInnen, ZuhörerInnen oder ZuschauerInnen interessieren?

  • InterviewpartnerInnen suchen: Überlege dir, welche InterviewpartnerInnen über das Thema besonders gut Auskunft geben könnte.

  • Recherchieren: Informiere dich vor dem Interview über die GesprächspartnerInnen und das Thema. Was ist Dir unklar? Gibt es widerstreitende Meinungen zum Thema? Gibt es einen aktuellen Anknüpfungspunkt?

  • Journalistische W – Fragen checken: Stell sicher, dass du alle wesentlichen Informationen abfragst. Dabei helfen dir die journalistischen W – Fragen (Link): Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum? Wozu? Diese so genannten „offenen Fragen“ sind auch deswegen hilfreich, weil die InterviewpartnerInnen hierauf nicht nur mit „Ja“ oder „Nein“ antworten können.

  • Fragen formulieren: Suche kurze und eindeutige Formulierungen und verzichte auf „oder“ - Fragen. Lange und komplizierte Fragen verunsichern die GesprächspartnerInnen und du läufst Gefahr, dass du nicht verstanden wirst.  Formuliere nicht mehr als 10 Fragen, damit dir auch noch Raum für spontane Fragen bleibt.

  • Fragen ordnen: Am besten beginnst du mit einer allgemeinen Frage, die die ZuhörerInnen (und auch die InterviewpartnerInnen) neugierig macht. Deine weiteren Fragen solltest du nach Themen ordnen. Für den Abschluss des Interviews könntest du dir eine humorvolle oder eine persönlichere Frage überlegen oder dein Gegenüber um eine Empfehlung oder einen Ausblick bitten.

  • Vorgespräch führen: Falls möglich, führe ein persönliches oder telefonisches Vorgespräch mit den InterviewpartnerInnen. Diese können sich so auf das Thema einstellen und du bekommst schon im Vorfeld wichtige Informationen und Anregungen für deine Fragen.

  • Bedingungen vor Ort klären: Im Vorgespräch kannst du außerdem schon die Bedingungen vor Ort klären. Eine Eingangshalle z.B. mit Steinfußböden, hohen Decken und Publikumsverkehr ist Gift für deine Audio - Aufnahme. Bitte daher um einen ruhigen Ort mit Teppichfußboden, in dem ihr ungestört seid.

  • Karteikarten vorbereiten: Schreibe deine Fragen niemals auf Papier, sondern immer auf Karteikarten. Papier raschelt und verursacht unschöne Störgeräusche auf deiner Audio - Aufnahme.

  • Im Tandem arbeiten: Ein Audio – Interview machst du am besten zu zweit: Eine/r hält das Mikrofon und stellt die Fragen, eine/r bedient die Technik und kontrolliert den Ton über die Kopfhörer.

  • Die Technik checken: Teste das Aufnahmegerät und seine Funktionen unbedingt rechtzeitig und nicht erst kurz vor dem Interview.

Zusammenstellung der Ausrüstung für ein Audio - Interview


  • Karteikarten mit deinen Fragen

  • Leere Karteikarten und Stift

  • Reservebatterien / Reserveakku

  • Mikrofon und Mikrofonkabel

  • Plopp - Schutz (Innenaufnahmen) oder Windfell (Außenaufnahmen) für das Mikrofon

  • Kopfhörer

Vorbereitungen vor Ort


  • Pünktlich erscheinen: Du solltest mindestens 15 Minuten vor dem Interviewtermin vor Ort sein. Manchmal dauert es länger, sich in einer Straße oder einem Gebäude zu orientieren. Und wenn sich GesprächspartnerInnen schon Zeit für ein Interview nehmen, solltest du diese keinesfalls warten lassen.

  • Eine gute Atmosphäre schaffen: Nicht nur du könntest vor einem Interview nervös sein, sondern auch die InterviewpartnerInnen. Deswegen: Plaudere nach der Begrüßung erst einmal locker über das Wetter oder Erlebnisse auf dem Weg zum Interviewtermin.

  • Informationen für die GesprächspartnerInnen: Stell dich deinen InterviewpartnerInnen mit Namen vor, erkläre, für wen du arbeitest, worüber du sprechen möchtest und wann und wo das Interview erscheinen wird.

  • Einen ruhigen Ort suchen: Anders als das menschliche Ohr kann ein Mikrofon Hintergrundgeräusche nicht ausblenden. Suche mit deinen InterviewpartnerInnen daher einen ruhigen Ort. Vermeide nicht nur Straßenlärm und Telefone im Hintergrund, sondern wegen des Halls auch große Räume, hohe Decken und glatte Fußböden.

  • Fenster schließen, elektrische Geräte abschalten: Bitte deine InterviewpartnerInnen – sofern möglich - Computer, Klimaanlage, Neonröhren, Musik und auch Handys auszuschalten. Schalte auch dein eigenes Handy aus!

  • Informationen von den GesprächspartnerInnen: Notiere dir die korrekte Schreibweise der Namen, der Funktion sowie die Telefon – Nummern und Email – Adressen deiner InterviewpartnerInnen. Am besten fragst du nach einer Visitenkarte.(Bei Passantenumfragen ist das allerdings nicht notwendig. Hier geht es um Stimmungsbilder und die InterviewpartnerInnen bleiben anonym.)

  • Aufnahme proben: Manche Menschen sprechen laut und deutlich, andere leise und zurückhaltend. Mach eine Sprechprobe mit deinen InterviewpartnerInnen und stelle dabei, falls möglich, auch den Aufnahmepegel ein. Dieser sollte um -12 dB schwingen und – 3 dB nicht überschreiten. Abstand des Mikrofons zum Mund: ca. eine Bleistiftlänge.

Interview führen


  • Mikrofon richtig halten: Halte dein Mikrofon so ruhig wie möglich in der Hand! Jede Bewegung am Mikrofon oder Mikrofonkabel verursacht laute, unschöne Geräusche auf der Aufnahme. Achte auch darauf, dass der Abstand zwischen Mund und Aufnahmegerät (ca. eine Bleistiftlänge) immer gleich bleibt, auch dann, wenn dein Gegenüber seine Position verändert. Und: Gib dein Mikrofon nie aus der Hand!

  • Aufnahme starten: Drücke auf REC und überprüfe, ob das Aufnahmegerät tatsächlich losgelaufen ist (Zählwerk!). Sage laut: „Aufnahme läuft!“und beginne erst dann mit dem Interview.

  • Ins Interview einsteigen: Begrüße deine GesprächspartnerInnen zu Beginn des Interviews mit Namen. Benenne deren Funktion und evtl. auch das Thema, über das du sprechen möchtest.

  • Fragen einzeln stellen: Stelle immer nur eine Frage auf einmal.

  • Interesse zeigen: Schaue deine InterviewpartnerInnen an, während sie deine Fragen beantworten. Sei neugierig auf die Antworten und höre konzentriert zu.

  • Nachhaken: Falls eine Antwort ungenau ist, du etwas nicht richtig verstanden hast oder dir ein Gesichtspunkt besonders interessant erscheint, frage noch einmal nach. Auch Fachworte solltest du dir (und den ZuhörerInnen) erklären lassen.

  • Aussprechen lassen: Lass deine InterviewpartnerInnen immer aussprechen. Nur wenn sie vom Thema abschweifen oder gar nicht mehr zu reden aufhören, darfst du sie unterbrechen. Hebe eine Hand, um zu signalisieren, dass du etwas sagen möchtest. Wenn auch das nichts nützt: Nenne den Namen deines Gegenübers und starte mit einer neuen Frage („Frau X, was bedeutet…?“).

  • Auf Bemerkungen verzichten: Verzichte auf alle eigenen Kommentare wie „aha“, „hm“ oder „ach so“. Ein betätigendes Nicken ist jedoch erlaubt und signalisiert dein Interesse.

  • Fehler korrigieren: Falls du dich bei einer Frage versprochen hast, stelle sie einfach noch einmal. Bei der Bearbeitung des Interviews kannst du die misslungene Frage später einfach löschen.

  • Interview beenden: Bedanke dich nach der Beantwortung der letzten Frage bei deinen GesprächspartnerInnen für das Interview.

Hilfreiche Informationen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbearbeitung von Interviews findest du übrigens auch bei www.schuelerradio.at und www.interaudio.org.

(Nina Stapelfeld, Claudia Ferda)

Hinweise Interview-Tipps als Download

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