Alles Neu - Nieuw

Es ist nicht bloß ein Dokumentarfilm – es ist ein völlig neues Leben. In einer Welt, in der „Alles Neu“ ist.

Tanans ist acht Jahre alt. Er kommt aus Uganda, um als Flüchtlingskind in den Niederlanden ein neues Leben zu beginnen. Der Dokumentarfilm „Nieuw – Alles neu“, der unter der Regie von Eefje Blankevoort entstand, ermöglicht es dem Zuschauer diesen Weg nachzuvollziehen. Die Reise, die Ankunft, die ersten Kontakte mit einer vollkommen fremden Welt. Tanans entdeckt europäische Normalitäten, stellt sich der neuen Schule und kämpft gegen seine Ängste an: die Ängste vor der neuen Sprache, die er nicht versteht und vor den neuen Menschen, die ihn nicht verstehen. Doch langsam findet er Freunde in den Kindern aus der Nachbarschaft. Mit ihnen kann er reden - sie verstehen ihn, auch wenn die Worte fehlen. Er hat seine Eltern verloren und musste alle seine Freunde zurücklassen… doch der europäische Alltag ist zu aufregend, als dass diese Momente der Trauer zu oft vorkommen.
Als Tanans dann schließlich schlingernd die Straße mit dem Fahrrad hinuntertrudelt, ist die ernste Flüchtlingsthematik des Films schon fast vergessen – aber eben nur fast.

Der Dokumentarfilm ist nur knapp zwanzig Minuten lang, der Protagonist nur acht Jahre alt – doch die Geschichte ist ganz groß. Eefje Blankevoort hat es geschafft, die immer ernstzunehmendere Thematik der Flüchtlinge in liebevollen Szenen einzufangen und nicht bloß Bilder zu zeigen, sondern den Zuschauer mitzunehmen. Mitzunehmen in eine europäische Welt, die so „normal“ ist, dass sie nicht weiter auffällt. Mitzunehmen in eine europäische Welt, die neu entdeckt wird, in der „normal“ ein Abenteuer bedeutet. Dieser Film braucht keine Dramatik, keinen Witz und auch keine großen Spezialeffekte, denn er zeigt das Leben in den Augen eines Achtjährigen mit all seinen Wünschen und Hoffnungen, Ängsten und Sorgen. Sehr gut gewählte Perspektiven nehmen den Zuschauer ab der ersten Minute ein und lassen ihn zu einem Schatten werden, wenn Tanans seine neue Heimat erkundet. Rückblicke geben Einblicke in die Vergangenheit des Jungen, dessen Gesicht so vieles erzählt, was Worte nicht vermögen. Reichen diese Erzählungen nicht aus, dann hilft die Musik weiter. Musik aus der Heimat Uganda, Musik aus den Geräuschen eines Supermarktes oder einfach Musik, deren Klänge Gefühle sind. Das vielfältige Spiel mit Perspektive und Musik, so maßgeschneidert für den Protagonisten, macht den Film unterhaltsam und gefühlvoll. Stille wird plötzlich nicht mehr langweilig, sondern ein Erlebnis für sich. Doch mit am Schönsten ist die Hoffnung, die der Film vermittelt. Die Hoffnung, dass nach all den ausgewählten Szenen aus dem fremden Flüchtlingskind ein Freund geworden ist. Die Hoffnung, die mit dem Schellen der Fahrradklingel nicht verklingt, sondern erst richtig begreifbar wird. Begreifbar vor allem für diejenigen, die sich am besten mit einem Achtjährigen identifizieren können: Grundschüler und Kinder der fünften bis siebten Klasse. Auch wenn es vielleicht nicht immer ganz der Realität entspricht, wie komplikationslos alles von statten geht, den Empfindungen von Kindern wird die Dokumentation auf jeden Fall gerecht. Und das alles in nur knapp zwanzig Minuten.

von Svea_D 15 Jahre, Redaktion doxs! Duisburg 2014 am 01.07.2015, Format: Film

Fazit

„Nieuw – Alles neu“ ist ein Abenteuer des echten Lebens, wahrgenommen und erlebt durch ein achtjähriges Flüchtlingskind, das alles in seiner Heimat Uganda zurücklassen musste, um in den Niederlanden ein neues Leben anzufangen. So wird jede einzelne Szene zu einem Erlebnis, welches ausgeschmückt mit Musik und Perspektive nicht nur Kinder mitnimmt, sondern mit einem für diese Thematik so seltenen hoffnungsvoll-positiven Blick auf das Leben schaut.

Weitere Informationen

  • Niederlande 2014
  • Regisseur/in: Eefje Blankevoort
  • FSK: Ohne Altersbeschränkung
  • Deine Altersempfehlung: ab 6 Jahren
  • Länge: 19 Minuten min.

Gesamtwertung

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