Amelie rennt

Manchmal muss man seine Sichtweise verändern, um neuen Mut zu fassen...

Amelie hat Asthma und sie hasst ihre Krankheit. Als sie nach einem schlimmen Anfall von ihren Eltern in eine Klinik geschickt wird, ist sie so gar nicht begeistert. Von der Großstadt Berlin ins einsame Südtirol.
Sie lässt niemanden an sich heran und als sie hört, dass die Ärzte sie "knacken" wollen, haut sie ab.
Sie entschließt, gemeinsam mit dem Einheimischen Bart, den Berg zu erklimmen und dort über ein Feuer zu springen, um sich zu beweisen und sich Gesundheit zu wünschen.
Aber hat sie ihre Krankheit genug im Griff, um ihr Abenteuer zu überleben? 

Auf den ersten Blick kommt man nicht umhin, Parallelen zu "Heidi" zu finden, wodurch man sich nicht voll und ganz auf den Film einlässt. Die Grundidee von zwei Kindern, die allein in den Bergen unterwegs sind, ist ähnlich, aber durch Amelies Asthma kommt eine neue Komponente dazu.
Die Handlung ist sehr vorhersehbar, vor allem da öfters gezeigt wird, wie Amelie ihr Asthmaspray benutzt. Dass es früher oder später ein Problem mit ihrer Krankheit geben muss, ist offensichtlich und das senkt die Spannung deutlich. Außerdem kommt es zu vielen unrealistischen Szenen, welche die Glaubwürdigkeit des Films zunichte machen. Man merkt, dass besagte Stellen zu gewollt sind und niemals in der Realität auftreten würden. So zum Beispiel, als ein vermeintlich wildes Eichhörnchen auf Amelie herumklettert. Es ist eine für die Handlung völlig irrelevante Szene, die gleichzeitig viel Auswirkung auf das Gesamtbild des Films hat, da man alles zu hinterfragen beginnt und sich nicht mehr hineinfallen lassen kann.
Ebenfalls störend ist, dass Bart und Amelie in ihren Gesprächen recht schnell vom Asthma aufs Thema Tod kommen und dorthin auch immer wieder zurückkehren. Dabei bedeutet Asthma ja nicht gleich den Tod und daher hinterfragt man, was für ein Motiv die Macher des Films eigentlich haben. Denn Asthma ist als ernstes Thema groß genug für einen Kinderfilm. Da braucht man nicht noch recht unnötige Gespräche über den Tod, nur um die Atmosphäre ernster werden zu lassen.
Barts Rolle wirkt zwischenzeitig recht überflüssig, da seine Anwesenheit meist nur zu spitzzüngigen Wortgefechten führt. Diese lockern zwar die Atmosphäre und sind eine nette Abwechslung, aber man hätte es auch anders angehen können. Zumal man ihn durch Nuscheln und Dialekt oft nur wenig versteht, wodurch die sehr seltenen tiefgründigeren Gespräche untergehen. Ansonsten darf er nur für ihr Überleben sorgen, weil er sich in der Gegend auskennt.
Dagegen wirkt Mia Kasalo als Amelie sehr überzeugend, wie sie um keinen sarkastischen Kommentar verlegen zu sein scheint und ihre Haltung relativ lange überzeugend darstellt. Erst als sie anfängt, sich zu verändern, lässt die Sympathie ihr gegenüber nach, da diese neue Amelie nicht mehr länger zu Mia und ihrem Spiel passt, die man so spitzzüngig kennengelernt hat. Zumal es sehr unwahrscheinlich ist, dass man innerhalb von wenigen Tagen eine 180° Wende macht.
Gerade das Ende ist typisch für einen Kinderfilm. Denn egal wie schlimm die Aussichten sind, man will doch immer eine positive Botschaft übermitteln und so ist es auch hier. Nur leidet darunter die Glaubwürdigkeit, vor allem da für den ein oder anderen Umschwung keine wirkliche Erklärung vorliegt. Überraschend ist, dass man sich im Laufe des Films eher von der Protagonistin entfernt, statt sich ihr anzunähern und das ist selten in Filmen. Das sorgt ebenfalls für sinkende Spannung und relativ schwach ausfallende Emotionen. Es führt zu einer Distanz zwischen Zuschauer und Film, wodurch man nicht gänzlich in die Geschichte eintauchen kann. Auch wenn die Macher es durch gut eingesetzte Filmmusik auszugleichen versuchen.
Die Zielgruppe lässt sich durch die imposante Landschaft und die durch Filmmusik unterstützte Atmosphäre verzaubern. Ihnen werden auch die eher kleineren Makel nicht auffallen, und sie können sich auch gut in Amelie hineinversetzen. Für sie ist "Amelie rennt" ein sehr schöner Film.

von stefanie.cp17 19 Jahre, Redaktion Cinepänz Köln 2017 am 20.11.2017, Format: Film

Fazit

Ein netter Kinderfilm, der es nicht ganz schafft, glaubwürdig zu sein und ein ernstes Thema zu behandeln. Für die Zielgruppe aber genau das richtige.

Weitere Informationen

  • Deutschland, Italien 2017
  • Spielfilm
  • Regisseur/in: Tobias Wiemann
  • Darsteller/innen: Mia Kasalo, Samuel Girardi, Denis Moschitto
  • FSK: ab 6 Jahren
  • Deine Altersempfehlung: ab 8 Jahren
  • Länge: 97 min.
  • Verlag: Farbfilm Verleih

Gesamtwertung

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